Ziel 5: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen
Was beinhaltet Ziel 5?
- Gleichstellung und Ermächtigung: Ziel 5 strebt die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen an und will Frauen und Mädchen stärken.
- Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt: Das Ziel ist die Beendigung von geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen und Mädchen.
- Teilhabe an Entscheidungsprozessen: Ziel 5 fordert die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entscheidungsprozessen.
Wie ist die Situation in Deutschland?
Frauen und Männer werden in Deutschland immer noch unterschiedlich bezahlt. Aber zumindest wird die Lücke kleiner: Der Gender Pay Gap ist zuletzt so stark gesunken wie noch nie, seitdem er erfasst wird. Er misst, wie viel weniger Frauen pro Stunde verdienen. 2024 waren das zwar immer noch 16 Prozent, innerhalb von einem Jahr ist die Zahl damit aber um zwei Prozentpunkte gesunken.1 Und 2006, als der Unterschied das erste Mal erhoben wurde, lag er noch bei 23 Prozent.2 Die ungleiche Bezahlung entsteht teils dadurch, dass Frauen zum einen häufig schlechter bezahlte Berufe wählen und zum anderen öfter in Teilzeit arbeiten. Aber auch wenn diese Faktoren rausgerechnet werden, bleibt ein Unterschied von sechs Prozent – bei vergleichbaren Tätigkeiten und Qualifikationen. Das wirkt sich auf die Rente aus: Teilzeit-Stellen, Auszeiten für Care-Arbeit, schlechter bezahlte Berufe – all das sorgt für niedrigere Rentenansprüche. Der Gender Pension Gap misste den Unterschied des durchschnittlichen Alterseinkommens. Er zeigt das Frauen im Schnitt mehr als ein Viertel weniger Rente erhalten als Männer.3
Obwohl Frauen häufiger studieren und genauso hoch qualifiziert sind wie Männer, ist nur etwas weniger als jede dritte Führungsposition von Frauen besetzt. Deutschland liegt damit sogar noch unter dem ebenfalls niedrigen EU-Durchschnitt von 35,2 Prozent.4 Auch im deutschen Bundestag ist nur knapp jedes dritte Mitglied eine Frau. Der Anteil ist mit der Bundestagswahl 2025 sogar kleiner geworden: Er sank von 35,3 Prozent auf 32,4 Prozent.5
Eine Gesellschaft, in der Mädchen und junge Frauen ihr volles intellektuelles, soziales und politisches Potenzial ausschöpfen können, ist gleichzeitig auch eine sichere, gesunde und florierende Gesellschaft.
Julia Gillard, ehemalige Premierministerin von Australien
In Deutschland ist Gewalt gegen Frauen ein gesamtgesellschaftliches und alltägliches Problem. Alle vier Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch Ihren Partner oder Ex-Partner.5 Beinahe jeden Tag versucht ein Partner oder Ex-Partner eine Frau zu töten. Dabei ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da viele Taten nicht gemeldet oder anders deklariert werden und so nicht in die Statistik einfließen. Laut sogenannten Dunkelfeldstudien ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen.6 Die Organisation UN Women kritisiert, dass in Deutschland eine politische Gesamtstrategie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen fehlt. Dazu würden neben mehr Plätzen in Frauenhäusern auch geänderte Gerichtsverfahren gehören, die Opfer weniger belasten.7
Wie ist die Situation international?
Frauen und Mädchen sind nach wie vor unverhältnismäßig stark von geschlechtsbedingten Ungerechtigkeiten betroffen. Sie leisten 2,5 mal so viel unbezahlte Care-Arbeit wie Männer, denn sie kümmern sich oft überwiegend um den Haushalt und die Familie.8 Durch diese unbezahlte Arbeit bleibt weniger Zeit für Lohnarbeit und Bildung. So verlieren Frauen oft ihre Selbstständigkeit und sind finanziell von anderen abhängig.
Für echte Gleichberechtigung ist die rechtliche Gleichstellung entscheidend. Zwischen 2019 und 2024 wurden weltweit 99 Gesetze reformiert, die Frauen benachteiligt haben – zum Beispiel, weil ihnen verboten wurde, bestimmte Berufe auszuüben. Trotz diesem Fortschritt gibt es in 61 von 131 Ländern immer noch Gesetze, die Frauen von bestimmten Berufen ausschließen. Nur knapp die Hälfte der Länder haben Gesetze, die Vergewaltigung bei fehlendem Einverständnis klar definieren.9
Ein weiterer Indikator für Geschlechtergleichheit ist politische Teilhabe und Verantwortung. Bisher sind die wenigsten Parlamente paritätisch besetzt. Anfang 2025 sind 27,2 Prozent aller Abgeordneten in den nationalen Parlamenten weltweit weiblich. Das sind fast fünf Prozentpunkte mehr als zum Start der Agenda 2030 im Jahr 2015, allerdings hat sich der Fortschritt zuletzt verlangsamt.10
Ein wichtiges Unterziel für das Ziel 5 ist, dass Frauen und Mädchen ungehinderten Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und entsprechende Rechte haben sollen. Aber nur 56,3 Prozent der verheirateten oder in einer vergleichbaren Verbindung lebenden Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren sind sexuell selbstbestimmt und können frei entscheiden, ob sie Kinder bekommen möchten. Besonders problematisch ist das bei Kinderehen: 19 Prozent der Frauen zwischen 20 und 24 Jahren wurden verheiratet, bevor sie 18 waren. Immerhin: Die Zahl ist rückläufig, vor allem weil Kinderehen in Südasien seltener geworden sind.11
Podcast-Folge zu Ziel 5
Kriegsverbrechen: Was tun, wenn sexualisierte Gewalt als Waffe eingesetzt wird?
Mehr Informationen:
Unterziele
Unterziel 5.1
Beendigung von Diskriminierung gegenüber Frauen und Mädchen
Unterziel 5.2
Beendigung jeglicher Gewalt gegen und Ausbeutung von Frauen und Mädchen
Unterziel 5.3
Beseitigung von erzwungenen Ehen und Genitalverstümmelungen
Unterziel 5.4
Anerkennung unbezahlter Fürsorgearbeit und Förderung geteilter häuslicher Verantwortung
Unterziel 5.5
Sicherstellung vollständiger Teilhabe an Führungspositionen und Entscheidungsprozessen
Unterziel 5.6
Allgemeiner Zugang zu reproduktiver Gesundheit und Rechten
Unterziel 5.A
Gleiches Recht auf wirtschaftliche Ressourcen, Eigentum und Finanzdienstleistungen
Unterziel 5.B
Förderung der Selbstbestimmung von Frauen durch Technologie
Unterziel 5.C
Beschluss und Stärkung von Politik und durchsetzbaren Gesetzen für Geschlechtergleichstellung
Unterziel 5.1
Beendigung von Diskriminierung gegenüber Frauen und Mädchen
Unterziel 5.2
Beendigung jeglicher Gewalt gegen und Ausbeutung von Frauen und Mädchen
Unterziel 5.3
Beseitigung von erzwungenen Ehen und Genitalverstümmelungen
Unterziel 5.4
Anerkennung unbezahlter Fürsorgearbeit und Förderung geteilter häuslicher Verantwortung
Unterziel 5.5
Sicherstellung vollständiger Teilhabe an Führungspositionen und Entscheidungsprozessen
Unterziel 5.6
Allgemeiner Zugang zu reproduktiver Gesundheit und Rechten
Unterziel 5.A
Gleiches Recht auf wirtschaftliche Ressourcen, Eigentum und Finanzdienstleistungen
Unterziel 5.B
Förderung der Selbstbestimmung von Frauen durch Technologie
Unterziel 5.C
Beschluss und Stärkung von Politik und durchsetzbaren Gesetzen für Geschlechtergleichstellung