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Kommunikation über den Klimawandel nach COP-27

Auf welche Werte und Argumente berufen wir uns, um Menschen vom Sinn der Entwicklungszusammenarbeit zu überzeugen? Was ist die Erzählung der Entwicklungshilfe? Ist es die Geschichte der Starken, die den Schwachen helfen? Die Geschichte der Reichen, die den Armen etwas abgeben? Das ist die traditionelle Sichtweise, die der klassischen Einteilung zugrunde liegt, nach der es einerseits „entwickelte Länder“, andererseits „Entwicklungsländer“ gibt. Sie ist aus vielerlei Gründen problematisch, unter anderem weil sie so tut, als wären die „entwickelten Länder“ in jeder Hinsicht ein nachahmenswertes Vorbild.

Die Idee der SDGs legt uns nahe, diese Schubladen als überholt zu betrachten: Alle Länder stehen vor der Aufgabe nachhaltiger Entwicklung, was impliziert, dass alle Länder „Entwicklungsländer“ sind. Aber wenn auch alle Länder die gleichen Entwicklungsziele anstreben, so sind doch einige für diese Herausforderung besser gerüstet als andere, etwa weil sie wohlhabender oder politisch stabiler sind. Wir brauchen daher weiterhin internationale Entwicklungszusammenarbeit, aber gleichzeitig passen viele traditionelle Narrative nicht mehr in die Zeit.

Wir haben jedoch auch noch eine andere Tradition, Entwicklungshilfe zu beschreiben. „Wir können alle voneinander lernen“ – Diese Idee steht seit Jahrzehnten bei der sogenannten Süd-Süd-Kooperation im Mittelpunkt. In diesem Text schauen wir uns einmal an, wie über Süd-Süd-Kooperation kommuniziert wird, um Anregungen für die Art und Weise zu finden, wie wir selbst über Entwicklungszusammenarbeit sprechen: Gibt es so etwas wie ein inklusives Narrativ der internationalen Kooperation, das ohne die Schubladen von großzügigen Gebern und bedürftigen Nehmern auskommt? Beginnen wir mit ein wenig Geschichte.

Ein bisschen Geschichte

Der Begriff Süd-Süd-Kooperation steht für Entwicklungszusammenarbeit zwischen Ländern des Globalen Südens. Das Konzept entstand in den 1950er-Jahren, als zahlreiche Länder Asiens und Afrikas in der Bandung-Konferenz von 1955 Beratungs- und Kooperationsmechanismen schufen, die ihnen dabei helfen sollten, sich vom Einfluss der ehemaligen Kolonialmächte zu befreien und die Grundlage für Stabilität und Wohlstand zu schaffen. 1978 begründeten die Vereinten Nationen ihre Unit of South-South Cooperation.

Seit den 90er-Jahren hat die Idee immer mehr Fahrt aufgenommen. Es hat zwei Lateinamerika-Afrika-Gipfel gegeben. Mit der New Development Bank in Schanghai und der Asian Infrastructure Investment Bank in Peking wurden zwei Finanzinstitute geschaffen, die auf die Finanzierung von Süd-Süd-Projekten spezialisiert sind. Länder wie Brasilien oder China zählen heute zu den großen Geberländern in der Entwicklungszusammenarbeit, mit zahllosen Projekten in vielen Staaten.

Kommunikation über Süd-Süd-Kooperation: Framing und Narrativ

Von Anfang an haben die an der Süd-Süd-Kooperation beteiligten Länder Entwicklungshilfe anders begründet: Es geht darum, einander zu unterstützen und voneinander zu lernen. Das UN Office for South-South Cooperation definiert:

Süd-Süd-Kooperation ist eine gemeinsame Unternehmung von Völkern und Ländern des Südens; geboren aus geteilten Erfahr­ungen und Sympathien; basierend auf ihren gemeinsamen Zielen und auf Solidarität; geleitet unter anderem von den Prinzipien des Respekts vor nationaler Souverä­nität und Eigenleitung (owner­ship); ohne alle Vorbedingungen.

Kommunikation über Süd-Süd-Kooperation stellt also nicht „starke“ und „schwache“, „reiche“ und „arme“, „entwickelte“ und „sich entwickelnde“ Akteure einander gegenüber. Betont werden vielmehr die Aspekte der Gleichheit. Das Narrativ ist eine Erzählung von Solidarität unter Gleichen. Es geht vor allem um drei Hauptideen:

  • Wir sitzen alle im selben Boot, sollten daher zusammenarbeiten und voneinander lernen.
    Wir teilen die gleichen Erfahrungen, sehen uns ähnlichen Problemen gegenüber und haben gemeinsame Ziele – deshalb sollten wir einander helfen.
  • Wir sind alle gleichwertig und haben gleiche Rechte.
    Wir respektieren einander als Gleiche. Wir nutzen die Zusammenarbeit nicht als Mittel, um unseren Einfluss zu vergrößern oder besseren Zugriff auf Ressourcen zu erlangen – bei unserer Kooperation geht es nicht um nationale Interessen.
  • Wir tragen alle zu einem gemeinsamen Gut bei.
    Die Beziehungen zwischen unseren Staaten sind ausbalanciert und beruhen auf Gegenseitigkeit. Wir alle können anderen helfen – und wir alle brauchen Hilfe von anderen.

Das Webportal South-South Galaxy der Vereinten Nationen zeigt diese Prinzipien in Aktion. Es handelt sich um eine Art Vermittlungsplattform für Wissen und Partnerschaften, auf der Teilnehmer bestimmte Fähigkeiten und Ressourcen anbieten und nachfragen können.

Wie man zu Hause über Süd-Süd-Kooperation spricht

Die internationale Kommunikation über Süd-Süd-Kooperation betont stark die Idee der wechselseitigen Solidarität. Das funktioniert gut bei einem Publikum von Aktivisten und Entwicklungsexperten – aber was ist mit der breiten Öffentlichkeit zu Hause? Wie können professionelle Kommunikatoren dieses Solidaritätsideal den Bürgern von Geberländern vermitteln, aus deren Steuern die Entwicklungshilfe ja gezahlt wird?

Wie eine Studie des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen von 2017 zeigt, haben es professionelle Entwicklungskommunikatoren in Süd-Süd-Geberländern oft mit Bürgern zu tun, die sich Sorgen um den Fortschritt in ihrem eigenen Land machen. Wenn Menschen sich ständig mit Entwicklungsdefiziten zu Hause herumschlagen müssen, ist die Idee nicht leicht zu vermitteln, Geld und sonstige Ressourcen für andere Länder zur Verfügung zu stellen – selbst dann nicht, wenn die Öffentlichkeit eigentlich offen für Vorstellungen über internationale Solidarität ist.

Die Untersuchung fand, dass Öffentlichkeitsarbeiter es sich daher oft zweimal überlegen, bevor sie Informationen über Entwicklungszusammenarbeit an die Öffentlichkeit geben. Aus Furcht vor öffentlicher Kritik wagen Mitarbeiter in Regierungen und Entwicklungshilfeorganisationen es dann nicht, eine breitere Debatte über internationale Zusammenarbeit anzustoßen. Hier raten die Autoren der Studie dazu, Entwicklungsthemen im Bildungssystem stärker zu verankern, um allmählich ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass nachhaltige Entwicklung letztlich nur länderübergreifend vorangebracht werden kann.  

Für das heimische Publikum bietet es sich an, das Narrativ der Solidarität mit der Idee der wechselseitigen Abhängigkeit zu verknüpfen: Kein Land entwickelt sich in Isolation.

  • Um Fortschritt im eigenen Land erzielen zu können, brauchen wir gleichzeitig auch Fortschritt in anderen Ländern.
    Genau das ist die Motivation für Solidarität: Damit einer vorankommen kann, müssen alle

Süd-Süd-Kooperation erweitert: Dreieckskooperation

Das Konzept der Dreieckskooperation (oder triangularer Kooperation) setzt auf andere Weise bei dieser Idee an: Wenn alle Länder sich nur gemeinsam entwickeln können – warum kombinieren wir dann nicht Süd-Süd-Kooperation mit einem traditionellen Geberland aus dem Norden?

In Projekten, die als Dreieckskooperation angelegt sind, tun sich zwei miteinander kooperierende Länder aus dem Globalen Süden mit einem dritten Land zusammen, das Finanzmittel und andere materielle Ressourcen beiträgt.

Das Narrativ, das Solidarität, Respekt und wechselseitige Abhängigkeit betont, hilft auch dabei, diese Kooperationsformen den Bürgern zu erklären:

  • Ganz gleich wer und wo wir sind: Damit auch nur in einem Land dauerhafter Fortschritt erzielt werden kann, müssen wir einander alle unterstützen.
    Alle Länder, große und kleine, reiche und arme, müssen zusammenarbeiten, damit sie sich in einer globalisierten Welt nachhaltig entwickeln können.
  • Wir verstehen alle etwas von Entwicklung.
    Länder, die Unterstützung benötigen, kennen ihre Probleme selbst am besten – Länder, die in ähnlicher Situation sind, können besser als andere mit Wissen und Erfahrungen weiterhelfen – wirtschaftlich starke Länder haben die materiellen Mittel, um Entwicklungsprojekte anzuschieben.

Um die Kommunikation mit Experten und Politikern leichter zu machen, hat das OECD Direktorat für Entwicklungszusammenarbeit zahlreiche Materialien und Handreichungen zusammengetragen. Die pragmatischen Argumente zugunsten von Dreieckskooperationen laufen auf drei Hauptpunkte hinaus: Triangulare Kooperation “liefert hochwirksame Ergebnisse … schmiedet echte strategische und inklusive Partnerschaften … bringt zusätzliche Ressourcen zusammen und vermittelt relevantes Wissen“.

Das sollte uns zum Schluss an etwas erinnern, das sich eigentlich von selbst versteht: Narrative und Framings sind wichtig – aber am Ende müssen wir sie auch mit greifbaren Resultaten ausfüllen: eben mit Projektergebnissen, Partnerschaften, Ressourcen und Wissen.

Fazit

Das Narrativ der Süd-Süd-Kooperation ist beinahe 70 Jahre alt und gleichzeitig aktueller denn je. Die Kernidee lautet: Alle unsere Länder teilen gemeinsame Interessen, sind gleichermaßen von der Entwicklung des Planeten abhängig, bringen jeweils ihr Engagement und ihre ganz spezifischen Erfahrungen mit – und können voneinander lernen, um die besten Lösungen für unsere gemeinsamen Probleme zu finden. Diese Vorstellung bringt eigentlich den Ansatz der SDGs auf den Punkt.

Die Kernbotschaften, die wir hier herausgestellt haben, spiegeln einen globalen Gemeinschaftsgeist und das Bewusstsein, in einem gemeinsamen Schicksal verbunden zu sein – wie es für eine Welt, die vor existenziellen Herausforderungen wie dem Klimawandel steht, auch angemessen ist. Diese Botschaften sind inspirierend – aber sie wirken vielleicht auch manchmal ein wenig abgehoben. Effektive Kommunikationsstrategien sollten diese Ideen erden, indem sie sie mit Leben füllen: mit Geschichten von Ergebnissen und Erfolgen. Denn wir brauchen beides: das Ethos der globalen Solidarität und die praktischen Fähigkeiten, es in eine bessere Wirklichkeit umzusetzen.

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