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Ernährungssicherheit im ländlichen Kenia

Warum ist die Umsetzung der drei globalen Nachhaltigkeitsziele „Kein Hunger“ (SDG 2), „Maßnahmen zum Klimaschutz“ (SDG 13) und „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“ (SDG 16) essentiell, um die Ernährungssicherheit in einer Region langfristig zu gewährleisten?

Der Frage gehen wir am Beispiel der Region Marsabit in Kenia nach. Die Bevölkerung dort leidet seit vielen Jahren unter Dürren, Hunger und Gewaltkonflikten.

Etwa 80% der Bevölkerung in Marsabit sind Viehnomaden, ein kleinerer Anteil betreibt Landwirtschaft. Beide Gruppen hängen direkt von den vor Ort verfügbaren natürlichen Ressourcen ab. Ihre Lebensgrundlagen werden durch den Klimawandel, der sich in häufig wiederkehrenden und immer intensiveren Dürren zeigt, immer stärker bedroht. Für die Viehnomaden ist Mobilität die entscheidende Antwort auf geringere Wasserverfügbarkeit und schlechtere Weideverhältnisse – doch eine zweieinhalbjährige, überregionale Dürre, wie sie im März 2023 zu Ende gegangen ist, können sie kaum bewältigen. In der Folge sterben ihre Tiere, und die Pastoralisten verlieren mit ihnen ihren Lebensunterhalt und leiden unter Hunger. Auch Landwirte haben mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Sie reagieren darauf unter anderem mit der Umstellung ihrer Produktion von Nahrungspflanzen, wie Mais, Weizen, Bohnen und Gemüse, auf die Nutzpflanze Mirra. Diese Nutzpflanze ist zwar dürreresistenter, bietet ein zusätzliches Einkommen und unterdrückt Hungergefühle, kann aber im Falle einer langen Dürre auch nicht den Anstieg der Ernährungsunsicherheit verhindern.

Zudem leidet die Bevölkerung Marsabits unter regelmäßig wiederkehrenden Gewaltkonflikten, häufig in Form von gegenseitigen Viehdiebstählen und Angriffe auf andere ethnischen Gruppen. Die Ursachen der Konflikte sind komplex.

Sie sind nicht nur auf Dürren und Ressourcenknappheit zurückzuführen, sondern wurzeln auch in seit Jahrzehnten bestehenden politischen Spannungen.

Seit der Einführung des Mehrparteiensystems in Kenia in den 1990er Jahren kommt es immer wieder zu gewaltsamen Konflikten und bewaffneten Zusammenstößen. In der jüngsten Eskalation der Gewalt im Vorfeld der Parlamentswahlen im August 2022 war selbst die Bezirkshauptstadt von Marsabit wochenlang durch bewaffnete Auseinandersetzungen lahmgelegt. Geschehnisse dieser Art verdeutlichen die politische Dimension der Gewalt.  

Konflikte in Nordkenia wurzeln oftmals in ethnopolitischen Spannungen.

Die Politiker versuchen die Differenzen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen auszunutzen, in dem sie sich als Beschützer ihrer eigenen Ethnie und deren Territorium darstellen und zur Gewalt gegen andere aufrufen. So werden neue Grenzen gezogen und andere Gruppen von der Landnutzung ausgeschlossen. Dadurch werden nicht nur traditionelle Muster, der in Trockengebieten weit verbreiteten (nomadischen) Ressourcenteilung unterlaufen, es werden auch zuvor ethnisch recht vielfältige Gebiete immer mehr homogenisiert.

Gewaltsame Angriffe haben zu der Zerstörung ganzer Dörfer und zur Vertreibung von Tausenden Menschen geführt. Kämpfe um Weidegebiete und die politische Instrumentalisierung von Viehdiebstählen tragen zur verstärkten Feindseligkeit zwischen verschiedenen Siedlungen und Volksgruppen bei.


Die Auswirkungen dieser ethnisierten Gewalt auf die Ernährungssicherheit in den betroffenen Gebieten sind fatal.

In der Gemeinde Jaldesa etwa wurden 2021 nicht nur dutzende Häuser, der Polizeiposten, eine Gesundheitsstation und die örtliche Schule bei einem Angriff ethnischer Milizen zerstört, sondern auch eine Wasserpumpe, Gewächshäuser und die Felder, die erst im Jahr zuvor auf eine nachhaltige, dürreresistente Landwirtschaft umgestellt worden waren. Die lokale Nahrungsmittelproduktion kam zum Erliegen, zu einem Zeitpunkt als gleichzeitig eine Dürreperiode herrschte.

Mobilität, ein zentrales Merkmal des Pastoralismus und entscheidend für die Aufrechterhaltung der pastoralen Weidewirtschaft, ist in Konfliktzeiten oft eingeschränkt. Auch in Jaldesa begrenzen ethnisch konnotierte Territorien und die weit verbreitete Furcht vor Gewalt den Bewegungsradius der Viehhirten, die aufgrund der Dürre versuchen auf andere Weideflächen auszuweichen. Zudem wird der Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten auf städtischen Märkten erschwert, da es für Angehörige bestimmter ethnischer Gruppen nicht sicher ist Gebiete zu passieren, die von anderen Gruppen kontrolliert werden.

An dieser Stelle wird deutlich: Gewaltsame Konflikte und ethnopolitische Spannungen wirken sich grundsätzlich negativ auf die Lebensbedingungen, Ressourcen, Ernteerträge und Mobilität der betroffenen Menschen aus sowie auf die Entwicklungspotentiale der Orte, an denen sie leben. Zudem verringern sie die Kapazitäten der lokalen Bevölkerung angemessen auf Klimakrisen wie eine Dürre zu reagieren. Daher trägt die Förderung von Frieden (SDG 16) nicht nur zur Verbesserung der Lebenschancen und gesteigertem sozialen Zusammenhalt bei, sondern auch zu einer verbesserten Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln.

Die kenianischen und internationalen Entscheidungsträger sind gefragt, friedliche Bedingungen in Marsabit zu fördern und den Kreislauf aus Angst, Misstrauen und Gewalt in der Region zu durchbrechen. Dafür ist es zum einen entscheidend in der ganzen Region eine funktionierende staatliche Ordnung (wieder) herzustellen und Sicherheit für alle zu gewährleisten. Zum anderen ist es zentral ethnopolitische Grenzziehungen zu überwinden, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken und lokale Friedensinitiativen zu unterstützen, die Viehhüter, Landwirte und andere Mitglieder ländlicher Gemeinden in Folge der Dürrekatastrophe in Teilen Marsabits selbst initiiert haben. Es gilt den Moment der politischen Stabilität nach der Parlamentswahl 2022 und die Phase des Wiederaufbaus der Lebensgrundlagen nach dem Ende der verheerenden Dürre zu nutzen, um auch nachhaltige Friedensprozesse einzuleiten. Um nun einen dauerhaften Frieden zu erzielen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen und den Kampf gegen den Hunger zu gewinnen, ist die Zusammenarbeit von Staat, internationalen Akteuren, der Zivilgesellschaft und der lokalen Bevölkerung von entscheidender Bedeutung. Die internationale Gemeinschaft sollte den Prinzipien der humanitären Hilfe, der Entwicklungszusammenarbeit und der Friedenssicherung (HDP-Nexus) folgend diese Zusammenarbeit fördern und in den Wiederaufbau und Resilienz der von Gewalt, Dürre und Hunger gezeichneten Gesellschaft investieren.

Quellen

Der vorliegende Blogbeitrag basiert auf einer Caritas-Studie von Dr. Benjamin Etzold und Marie Müller-Koné, erschienen und abrufbar unter:

Etzold, B. & Müller-Koné, M. (2023).  Peace came from the herders. Supporting peace amidst drought, food insecurity and conflict. Lessons from Marsabit county, Kenya. (Study Report). Caritas International.

https://www.caritasinternational.de/informieren/infothek/infothek.aspx  

Die ausführliche Fassung der Studie ist erschienen und abrufbar unter:  

Etzold, B. & Müller-Koné, M. (2023). Boundary-Making in a Contested Space. Food Security and Conflict Dynamics in Marsabit, Kenya (Study Report). BICC.

https://bicc.de/docs/BICC-FooCo-CLS-V1.pdf  

Verfasser und Verfasserinnen

Hannah Wichary (Kommunikation BICC)

Marie Müller-Koné (Wissenschaftlerin am BICC)

Dr. Benjamin Etzold (Wissenschaftler am BICC)

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