Dein – Mein – Unser Beitrag zu den SDGs während der Corona-Pandemie (Teil 1)

Vor fünf Jahren haben wir – die Vereinten Nationen – die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) verabschiedet. Diese sollen unsere Welt – unsere Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie – zu einer nachhaltigen Entwicklung befähigen. Ebendiese Welt blickt momentan neben der Klimakrise jedoch einer weiteren Krise ins Auge: Der Covid-19-Pandemie (Coronavirus, SARS-CoV-2). Ohne die Gefahren, Schicksale und Verluste zu ignorieren, fragen wir uns: Gibt es bei all´ den Einbußen und Verlusten auch positive Seiten? Können und sollten wir uns fragen: Was lernen wir? Was können wir selber tun? In diesem Licht diskutieren wir die Covid-19-Pandemie entlang der 17 SDGs, primär mit Blick auf Deutschland. Wir starten in diesem ersten Teil mit den Zielen 1 bis 5.

Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen durch die Coronakrise“ – eine Utopie? Nicht erst seitdem die Folgen der Covid-19-Pandemie – Kurzarbeit, Kündigungen, Umsatzeinbußen – viele Menschen in finanzielle Notlagen bringen[1], gibt es in Deutschland Forderungen für eine bedingungslose Grundsicherung. Profitieren würden vor allem Alleinerziehende, aber auch Selbstständige, Freiberufler und Künstler. Denn trotz deiner Spotify-Mitgliedschaft fällt es den Musikern oft schwer von ihrer Arbeit zu leben. Wenn du gerade Zeit übrighast, informiere dich doch mal über Kampagnen wie diese und, wenn du willst, unterzeichne. Denn wann, wenn nicht jetzt, lassen sich transformative Ideen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen besser testen? Die Pandemie ist auch eine Chance für die Transformation und jede Stimme zählt.

Hunger als existentielle Bedrohung kennen in Deutschland die Wenigsten, die Lebensmittelversorgung ist auch heute gesichert. Dennoch erfreut sich das Thema Hamsterkäufe großer medialer Beliebtheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel findet dafür klare Worte: „Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch“.[2] Also: Statt Klopapier zu bunkern freue dich über die Möglichkeit weiterhin frische und gesunde Produkte kaufen zu können und deine Kochkünste zu perfektionieren – die nächste Dinner-Party kommt bestimmt! Und wer weiß, es wäre doch schön, wenn die Lust auf Selbstgekochtes auch in Zukunft bleibt und wir älteren Nachbarn auch nach Ende der Pandemie den ein oder anderen Einkauf abnehmen.

 

Dein Fitnessstudio hat zu, der Tennisverein ist geschlossen? Gerade in Zeiten der Pandemie rücken Gesundheit und Wohlergehen in unseren Fokus. Wir entwickeln im Moment eine neue Wertschätzung gegenüber den im Gesundheitssystem Beschäftigten und sind gleichzeitig gezwungen unsere Lebensstile zu überdenken. Und genau hier liegt die Chance zum Reflektieren, Priorisieren und Besinnen. Was ist mir wichtig, mit wem oder was möchte ich meine Zeit verbringen? Ist es die Autofahrt zum Fitnessstudio wert, um dort auf dem Laufband zu rennen, oder fühlt sich das Training im Freien sogar viel besser an? Waldspaziergänge, das häufig verfluchte Joggen sowie Online-Fitnessangebote sind ideale Wege auch in Zeiten von Covid-19 den Körper fit und das Immunsystem stark zu halten. Damit hilfst du vor allem deiner eigenen Gesundheit, aber auch das Gesundheitssystem wird durch Präventivmaßnahmen wie Sport entlastet. Und durch den geringeren Ressourcenaufwand schützt du gleichzeitig noch das Klima. Also, Turnschuhe an und los!

Kindergärten und Schulen sind zu, Nachhilfe fällt aus, die Uni findet nur online statt – führt die Covid-19-Pandemie zum Brachliegen der Bildung? Im Gegenteil! Seitdem klar ist, dass in Zeiten des Coronavirus kein normaler Betrieb der Bildungseinrichtungen möglich ist, erfinden diese sich und ihr Angebot fortwährend neu. Die Digitalisierung der Bildungsinfrastruktur, für die die Bundesregierung bis 2025 fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellt[3], erfährt im Moment einen rasanten Entwicklungsschub und es kann davon ausgegangen werden, dass die Krise als Katalysator für kreative Lösungen wirkt. Auch wenn die Pandemie eine enorme Herausforderung für das Bildungssystem darstellt, so ist die Mühe groß durch e-Learning-Plattformen möglichst alle Schulkinder, Studierende und Erwachsene durch diese Zeit zu geleiten. Falls du Kinder oder Geschwister hast, die momentan nicht zur Schule gehen können, informiere dich doch auch mal bei außerschulischen Institutionen über digitale Lernangebote. Hier können momentan sogar häufig mehr Kinder daran teilhaben als gewöhnlich (z. B. bei „Junior Uni DigiTal“[4]), was dich oder deine Eltern entlasten könnte.

Minutenlanger Applaus und Jubel auf leeren Straßen – damit ehren im Moment in vielen Ländern die Menschen das medizinische Personal und all´ die anderen helfenden Hände. Aber wem danken wir hier eigentlich? In Deutschland liegt der Anteil von Frauen am Gesundheitspersonal bei über 75 Prozent.[5] Hinzu kommt, dass Frauen täglich etwa dreimal so viel Zeit wie Männer mit unbezahlter Pflege- und Hausarbeit verbringen.[6] Unfair? Ja! Denn so werden Frauen nicht nur ökonomisch benachteiligt, sondern erfahren in Zeiten der Pandemie auch eine starke Mehrfachbelastung. Was können wir tun? Liebe Frauen: Seid mutig im Hinblick auf eure Karriereplanung – wir brauchen mehr weibliche Virologen, Chefärzte, Politiker und Führungskräfte. Go for it! Durch ihre mediale Präsenz könnte man gerade meinen, Deutschlands Expertenriege bestehe nur aus Männern – und tatsächlich, die Chefetagen hierzulande sind immer noch überwiegend männlich.[7] Die Krise macht uns dies deutlich, nutzen wir diese Erkenntnis: Unterstütze die Frauen in deiner Familie, deinem Freundeskreis, deinem Netzwerk. Und achte einmal darauf, wie oft du im Alltag versteckten Sexismus erlebst - oder vielleicht selbst Dinge sagst, die eigentlich in ein anderes Jahrhundert gehören.

 

Dieser Blogbeitrag soll weder die gesundheitlichen noch die gesellschaftlichen und ökonomischen Risiken und Belastungen ignorieren. Er soll aber Mut machen – Mut machen, dass zu Hause zu bleiben gar nicht so schlimm ist – Mut machen, dass wir auf dem richtigen Weg sind – Mut machen, dass an einem Tag ein neues und vielleicht auch besseres „Normal“ auf uns wartet

Einen weiterführenden Diskussionsimpuls findest du hier: Schostok, Dorothea (2020): Covid-19 im Licht der Sustainable Development Goals. Wuppertal Institut (Hrsg.)

Du hast Interesse an mehr? Hier findest du weitere Diskussionsbeiträge zur CoronaTransformation oder schau mal in den Zukunftsblog.

 

Quellen:

[1] Deutschlandfunk (2020): Covid-19. Heil: Kurzarbeitergeld wirkt – mehr als 470.000 Anzeigen. Meldung vom 31.03.2020. https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-heil-kurzarbeitergeld-wirkt-mehr-als-470-000.1939.de.html?drn:news_id=1116112

[2] Bundesregierung (2020): Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel. https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975232/1732182/d4af29ba76f62f61f1320c32d39a7383/fernsehansprache-von-bundeskanzlerin-angela-merkel-data.pdf?download=1

[3] BMBF – Bundesministerium für Bildung und Forschung (2019): Was ist der DigitalPakt Schule? https://www.digitalpaktschule.de/de/was-ist-der-digitalpakt-schule-1701.html

[4] https://www.junioruni-wuppertal.de/de/1772/angebot/junior-uni-digital/

[5] Statistisches Bundesamt (2020): Gesundheitspersonal: Deutschland, Jahre, Einrichtungen, Geschlecht. https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?sequenz=tabelleErgebnis&selectionname=23621-0001&zeitscheiben=10

[6] Vereinte Nationen (2019): The Sustainable Development Goals Report 2019. https://unstats.un.org/sdgs/report/2019/

[7] Hensel, Jana (2020): Die Krise der Männer. Artikel vom 13.04.2020 in Zeit. https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-04/gleichberechtigung-coronavirus-maenner-frauen-wissenschaftler-politiker-systemrelevante-berufe

Verfasserinnen:

Dr. Dorothea Schostok & Franziska Nagel, Wuppertal Institut
Teilen
von Wuppertal Institut

Zurück