Wie überlebt ein Insekt an einem Ort, der zweimal am Tag überflutet wird? Der Prächtige Salzkäfer gräbt sich eine U-förmige Wohnröhre ins Watt, die am oberen Ende abknickt und eine Luftblase festhält. Kommt die Flut, verschließt der Käfer den Eingang der Röhre mit einem Erdhügel und überlebt in seiner Luftkammer.
Der Salzkäfer ernährt sich von Algen und gehört zu den wenigen Insekten, die im Watt überleben können – wo der Boden zweimal täglich mehrere Stunden unter Wasser steht. In den höher gelegenen Salzwiesen, an Stränden und in den Dünen des Wattenmeeres ist das Überleben etwas einfacher und die Artenvielfalt größer. Dort leben viele Insektenarten, die sich an die besonderen Bedingungen angepasst haben und die mit Salz, Wind und Wasser zurechtkommen.
Schutz vor Wasser und Salz: Die Tricks der Tiere
Viele Larven von Salzwieseninsekten leben im Inneren von Pflanzen. Dort sind sie rundum geschützt, auch vor dem Meerwasser. Der Halligflieder-Spitzmaus-Rüsselkäfer legt seine Eier zum Beispiel in den Wurzelstock des Halligflieders. Da zu viel Salz tödlich für Pflanzenzellen ist, hat der Flieder tausende Salzdrüsen auf seinen Blättern, mit denen er Salz ausscheiden kann. Davon profitieren auch die Käferlarven.
Andere Insekten leben im Boden oder haben wasserabweisende Haare. Einen besonderen Trick wenden die Raupen der Sackträgermotte an. Sie spinnen sich ein Gehäuse aus Seide und verankern es an ihrer Futterpflanze. Dieser Seidensack schützt sie gegen Wasser und in seinem Inneren bleiben sie trocken und können in Ruhe fressen. Auch der Salzwiesen-Ahlenläufer hat eine Strategie gegen Überflutungen: Der Käfer wartet in einer Luftblase am Boden darauf, dass das Wasser wieder abläuft.
Hotspot der Artenvielfalt: Von winzigen Algen bis zum Schweinswal
Im Nationalpark Wattenmeer gibt es tausende Insektenarten, darunter Käfer, Fliegen, Schmetterlinge und Wildbienen. Ihnen widmet sich das Nationalpark-Themenjahr 2026. All diese sechsbeinigen Überlebenskünstler spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie bestäuben Pflanzen, zersetzen organisches Material und dienen zahlreichen anderen Tieren als Nahrung.
Insgesamt leben mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten im Wattenmeer – es gehört zu den artenreichsten Küstenökosystemen der Welt. Im Watt gibt es winzige Algen, Faden- und Strudelwürmer, Schnecken, Muscheln und Krebse, die Nahrungsquellen für Vögel und Fische sind. Das Wattenmeer ist außerdem die „Kinderstube“ für Meeresfische wie Scholle und Seezunge. Die Fische sind wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für die großen Tiere des Lebensraums, wie Seehunde, Kegelrobben oder Schweinswale.
Zwischenstopp für Pendler aus dem Norden
Seit 2009 gehört das Wattenmeer zum UNESCO-Weltnaturerbe – insbesondere wegen seiner Bedeutung für den Vogelzug: Rund zehn bis zwölf Millionen Brutvögel aus Skandinavien, Sibirien, Island, Grönland und Nordostkanada legen im Spätsommer und Herbst – nach der Brutzeit – einen Zwischenstopp im Wattenmeer ein. Sie ruhen sich dort aus und füllen ihre Fettreserven für den Weiterflug auf. Dazu gehören Ringelgänse, Nonnengänse, Knutts, Kiebitzregenpfeifer, Pfuhlschnepfen und Alpenstrandläufer.
Manche Vögel bleiben nur wenige Tage, die meisten jedoch einige Wochen. Wenn die Temperaturen sinken, ziehen sie weiter in ihre Winterquartiere, einzelne Arten bis nach Mauretanien und Südafrika. Auf ihrem Rückweg in die arktischen Gebiete rasten sie im Frühjahr wieder im Wattenmeer.
Das Wattenmeer und der Klimawandel
Wenn der Meeresspiegel durch den Klimawandel steigt, ist das Wattenmeer bedroht. Je mehr Wasser sich dort sammelt, desto mehr Wattflächen, Salzwiesen und Dünen werden überflutet und verschwinden. Dadurch verringern sich die Nahrungsflächen vieler Tierarten oder verschwinden sogar ganz. Falls es soweit kommt, ist das Überleben vieler Zugvögel bedroht. Wenn sie im Wattenmeer keine Nahrung mehr finden, müssen sie in andere Gebiete ausweichen – klappt das nicht, könnten Arten aussterben. Schon jetzt wird beobachtet, dass Tiere sich neue Lebensräume suchen müssen, weil die Wasser- und Lufttemperatur sich verändert. Ein Beispiel dafür ist der Kabeljau, der relativ kaltes Wasser benötigt.
Das Wattenmeer und die SDGs
Die drei Wattenmeer-Länder Dänemark, Deutschland und die Niederlande kümmern sich gemeinsam um den Schutz und Erhalt des Weltnaturerbes Wattenmeer. Durch die Absicherung der Übergangszone zwischen Land und Meer tragen sie zu SDG 14 „Leben unter Wasser” und SDG 15 „Leben an Land” bei.
Tu Du’s für das Wattenmeer
Auch du kannst zum Schutz des Wattenmeeres beitragen. Organisationen wie der NABU, der WWF oder die Schutzstation Wattenmeer, setzen sich für den Schutz dieses wichtigen Ökosystems ein. Du kannst sie bei Kampagnen und Aktionen unterstützen.
Wenn du den Nationalpark besuchst, solltest du auf markierten Wegen bleiben und die Schutzzonen respektieren. Nimm jeden Müll mit, den du findest – auch wenn er nicht von dir stammt. So landet er nicht im Meer. Falls du mit deinem Hund unterwegs bist, nimm ihn an die Leine, um Vögel und andere Wildtiere nicht zu stören.
Zum Meeresschutz kannst du auch im Alltag beitragen, zum Beispiel, indem du weniger Plastik verbrauchst: Nimm zum Einkaufen eine Stofftasche mit, kaufe Kosmetikprodukte ohne Mikroplastik und nutze Mehrwegflaschen. Und alles, was du tust, um deinen CO2-Ausstoß zu reduzieren, kommt indirekt auch dem Wattenmeer zugute.
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Dieser Artikel wurde vom Redaktionsbüro SINNTHESE verfasst und am 26. Juni 2026 veröffentlicht.
Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.
Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.