Tätowieren ist politisch.
Das zeigt Jane Yaleagme Schüler, Tattooartist und erste dozierende Person für Tattoo-Geschichte und -Praxis, bei der Aktion der Bildungskamapagne #17Ziele „Tattoos für dich und die Welt“.
Ein Interview mit Dozent*in & Tattooartist Jane Yaleagme Schüler
In Janes Arbeit werden Fragen nach Repräsentation, Kolonialgeschichte und Verantwortung gestellt. Denn Tätowierungen sind mehr als Schmuck: sie sind Ausdruck von Identität, Haltung und Zugehörigkeit.
Die 17 Ziele der Vereinten Nationen fordern ein Umdenken in Konsum, Kultur und Gesellschaft. Auch in der Tattoo-Welt lassen sich die Ziele umsetzen. Angefangen bei fairen Materialien über inklusive Räume zu Respekt vor kulturellem Erbe. Tattooartist Jane macht sichtbar, wie Kunst gesellschaftliche Machtverhältnisse hinterfragen kann. Janes Arbeiten zeigen, dass nachhaltige Entwicklung auch bedeutet, Geschichten neu zu erzählen und ihnen einen Platz auf der Haut zu geben.
17Ziele: (Warum) sind Tattoos politisch?
Jane: Tätowierungen können Zugehörigkeit und/oder Widerstand ausdrücken. Auch die Entscheidung, sich den eigenen Körper selbstbestimmt zu gestalten, ist ein politischer Akt. Vor allem in Gesellschaften, in denen Körpernormen immer noch eng definiert sind.
17Ziele: Was haben Tattoos mit Nachhaltigkeit zu tun?
Jane: Zum einen gibt es da die materielle Ebene, welche Farben und Inhaltsstoffe werden verwendet? Vegan, schadstofffrei, gesundheitlich unbedenklich? Und zum anderen gibt es die soziale Ebene, denn ein nachhaltiger Umgang mit Körperkunst bedeutet auch, dass Tätowierungen als dauerhafte, bewusste Entscheidungen verstanden werden, im Gegensatz zu impulsivem Konsum.
17Ziele: Warum sollte man sich Tattoos in Bezug zu den Nachhaltigkeitszielen stechen/ aufkleben lassen?
Jane: Weil Tattoos Ausdruck von Bewusstsein und Haltung sein können. Ein Tattoo, das diese Themen sichtbar macht, kann ein Symbol des Engagements sein, ein Gesprächsanstoß, oder ein Statement: „Ich stehe für diese Werte buchstäblich mit meiner Haut.“
17Ziele: Warum polarisieren Tattoos so sehr? Warum fühlen sich manche Menschen von Tattoos und der Verletzung der Unversehrtheit von Körpern so sehr provoziert?
Jane: Tattoos brechen mit gesellschaftlichen Vorstellungen von „natürlicher“ Körperlichkeit. Manche Menschen empfinden tätowierte Haut als Zeichen von Rebellion oder als Verletzung von Ordnungsvorstellungen. Kurz gesagt: Tattoos provozieren, weil sie den Körper als Ausdruck des Ichs und nicht als Besitz der Gesellschaft begreifen.
17Ziele: Warum wird nun Tattoo-Geschichte an einer Hochschule gelehrt? Und was bringst du als Dozent*in den Studierenden (als erstes, am liebsten) bei?
Jane: Tattoo-Geschichte wird endlich an einer Hochschule gelehrt, weil Tattoos kulturell, historisch und sozial relevant sind. Mein Ziel als Dozent*in: Tätowieren nicht nur als Technik zu vermitteln, sondern als Ausdrucksform mit Geschichte, Kontext und Verantwortung. Inklusiv, kritisch und praxisnah.
17Ziele: Was ist dein TU DU, das du Leser*innen mit auf den Weg geben möchtest?
Jane: Think before you Ink.
Foto Header: © Charlotte Wulff
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Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.
Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.