05.08.2026
SDG-Report 2026: Messbare Fortschritte bei den Entwicklungszielen aber große Ungleichheiten
„Niemanden zurücklassen“ ist das Anliegen der Agenda 2030. Um das zu erreichen, hat sich die Weltgemeinschaft 2015 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) gesetzt, die bis 2030 erreicht werden sollen. Es gibt schon viele Erfolge: Die Zahl der Menschen mit Zugang zu sauberem Trinkwasser ist inzwischen um fast eine Milliarde gestiegen. Heute können 92 Prozent der Weltbevölkerung Strom und rund drei Viertel das Internet nutzen. Und erstmals sind mehr als die Hälfte aller Menschen sozial abgesichert. Der Sustainable Development Goals Report 2026 zeigt allerdings: Vier Jahre vor Ablauf der Agenda gibt es bei vielen Nachhaltigkeitszielen nicht genug Fortschritte.
Wer sich Ziele setzt, sollte regelmäßig prüfen, wie weit er gekommen ist. Genau das machen die Vereinten Nationen in ihrem jährlichen offiziellen Fortschrittsbericht zu den 17 Zielen der Agenda 2030. Der „Sustainable Development Goals Report“ erscheint immer im Juli und wird auf dem Hochrangigen Politischen Forum (HLPF) der Vereinten Nationen in New York vorgestellt. Hier findet ihr unseren Blog zum HLPF.
Report 2026 zieht gemischte Bilanz
Die Vereinten Nationen messen die Fortschritte der Agenda 2030 anhand von 169 konkreten Unterzielen, die den 17 SDGs zugeordnet sind. Für 139 dieser Unterziele lagen ausreichend Daten vor, um die Entwicklung im aktuellen Bericht zu bewerten. Das Ergebnis: Nur 36 Prozent der bewerteten Unterziele sind auf Kurs oder es sind mindestens moderate Fortschritte zu messen. Bei den restlichen reicht das Tempo nicht aus, um das gesetzte Ziel zu erreichen, teilweise sind sogar negative Entwicklungen zu beobachten.
Beispiele:
Jeder zehnte Mensch lebt nach wie vor in extremer Armut und muss mit weniger als umgerechnet drei US-Dollar am Tag auskommen. Mehr als zwei Milliarden Menschen leben in Ernährungsunsicherheit, also mit der Sorge, sich in absehbarer Zeit nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgen zu können. Aufgrund chronischer Mangelernährung sind weltweit etwa 150 Millionen Kinder in ihrem Wachstum beeinträchtigt. Auch bei Bildung und Chancengleichheit bleiben große Herausforderungen: 273 Millionen Kinder und Jugendliche gehen nicht zur Schule. Jeder fünfte junge Mensch hat keinen angemessenen Arbeitsplatz und keine Ausbildungsmöglichkeit. Keines der Ziele zur Gleichstellung der Geschlechter ist auf Kurs, und weltweit erlebt jeder fünfte Mensch in seinem Alltag Diskriminierungen.
Hier findet ihr eine aktuelle Übersicht über die globalen Fortschritte bei den einzelnen SDGs.
Durchschnittswerte verschleiern Unterschiede
Der SDG-Bericht beschreibt den weltweiten Fortschritt bei den 17 Nachhaltigkeitszielen. Doch weil die globalen Durchschnittswerte große Unterschiede in den verschiedenen Weltregionen verschleiern können, listet er für jedes Ziel auch auf, in welchen Regionen die größten Fortschritte erzielt wurden und wo die Herausforderungen noch besonders groß sind.
Das gilt zum Beispiel für den Ausbau erneuerbarer Energien (SDG 7): 2024 erreichte die weltweit installierte Kapazität einen neuen Höchststand; der jährliche Zuwachs war mit 544 Watt pro Person so groß wie nie zuvor. Dieses Wachstum wurde vor allem von Entwicklungsländern getragen. Dort betrug die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in den vergangenen fünf Jahren 13 Prozent, in Industrieländern lag diese Rate nur bei 8 Prozent.
Bei Ziel 1 ist die ungleiche Entwicklung noch deutlicher: Ob extreme Armut bis 2030 beendet werden kann, hängt entscheidend von den Staaten in Afrika südlich der Sahara ab. Dort leben rund 71 Prozent der weltweit extrem armen Menschen Der Geburtsort entscheidet also weiterhin stark über die Zukunftschancen eines Menschen.
Übrigens: Wenn ihr genau wissen wollt, welche Fortschritte einzelne Länder bei den SDGs machen, könnt ihr das im SDG-Index nachschauen. Er wird jedes Jahr vom Sustainable Development Solutions Network (SDSN) erstellt.
Warum es zu langsam geht
Laut SDG-Report 2026 bremsen unter anderem folgende Entwicklungen die Fortschritte:
Klimawandel: Die globale Durchschnittstemperatur lag 2025 bereits um mehr als 1,4 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Die Treibhausgasemissionen erreichten erneut einen Höchststand. Die Folgen des Klimawandels erschweren die Entwicklung weltweit – besonders betroffen sind allerdings die ärmsten Länder, denen die Mittel zur Anpassung fehlen.
Kriege und Konflikte: Die Zahl der durch gewaltsame Konflikte aus ihrer Heimatregion vertriebenen Menschen lag Mitte 2025 bei rund 117 Millionen. Flucht und Vertreibung machen jahrelange Entwicklungsfortschritte zunichte.
Fehlende Finanzierung: Während die weltweiten Militärausgaben 2025 einen Rekordwert von fast 2,9 Billionen US-Dollar erreichten, sanken die staatlichen Leistungen für Entwicklungszusammenarbeit um 23,1 Prozent auf. Gerade die ärmsten Länder sind auf diese Mittel angewiesen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die jährliche Finanzierungslücke zum Erreichen der SDGs bei vier Billionen US-Dollar pro Jahr liegt.
Sind die 17 Ziele bis 2030 noch erreichbar?
„Die in diesem Bericht zusammengetragenen Daten machen eines unmissverständlich klar: Die Ziele für nachhaltige Entwicklung bleiben erreichbar und möglich, wenn wir uns dafür entscheiden, gemeinsam mit größerer Dringlichkeit, in größerem Maßstab, mit mehr Solidarität und Entschlossenheit zu handeln. Aber diese Entscheidung muss jetzt fallen.“
Amina J. Mohammed, Stellvertretende UN-Generalsekretärin
am 7. Juli 2026 bei der Vorstellung des SDG-Berichts
Erfolgsgeschichten
Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass Fortschritte möglich sind, wenn Regierungen, internationale Organisationen und die Zivilgesellschaft gemeinsam handeln. Die Vereinten Nationen haben deshalb neben ihrem Report einen Bericht mit Erfolgsgeschichten erstellt, den ihr hier abrufen könnt.
Dieser Artikel wurde vom Redaktionsbüro SINNTHESE verfasst.