01.08.2026
Plastikverschmutzung ist auch eine Frage der Menschenrechte
Die Auswirkungen der Plastikverschmutzung reichen weit über Umwelt- und Gesundheitsfragen hinaus und betreffen grundlegende Menschenrechte.
Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht "A Circular Plastics Economy and Human Rights" des Wuppertal Instituts. Giacomo Sebis, Researcher im Forschungsbereich Zirkuläre Gesellschaft, und Charlotte Hullmann, Researcherin im Forschungsbereich Transformative Industriepolitik, vergleichen darin die sozialen und ökologischen Folgen linearer Kunststofflieferketten mit den Potenzialen zirkulärer Systeme.
Plastik in der Umwelt: Die sichtbaren und unsichtbaren Folgen
Plastik führt zu massiver Umweltverschmutzung und zu einer erheblichen Belastung von Ökosystemen an Land und in den Ozeanen. Plastikabfälle können zahlreiche Tiere verletzen, etwa wenn sie sich darin verfangen oder Plastikpartikel aufnehmen. In den Ozeanen sammeln sich große Mengen Kunststoffabfälle unter anderem in Meereswirbeln an, etwa im sogenannten Great Pacific Garbage Patch. Größere Kunststoffgegenstände können durch Wettereinflüsse, mechanische Beanspruchung und UV-Strahlung in immer kleinere Partikel zerfallen, sogenanntes Mikroplastik. Dessen ökologische und gesundheitliche Auswirkungen sind noch nicht abschließend erforscht; zugleich mehren sich Hinweise auf Risiken für Mensch und Natur. Mikro- und Nanoplastik kann aufgrund seiner geringen Größe in Nahrungsketten gelangen und wurde bereits in verschiedenen Lebensmitteln sowie in menschlichem Gewebe nachgewiesen, unter anderem in Studien zu menschlicher Plazenta. Welche Folgen dies langfristig für die Gesundheit hat, ist jedoch weiterhin Gegenstand intensiver Forschung.
Mehr als Müll: Die sozialen Folgen von Plastik
Heutige Kunststofflieferketten sind überwiegend linear organisiert: Kunststoffe werden produziert, genutzt und anschließend entsorgt. In allen Phasen dieses Prozesses entstehen soziale Risiken, die verschiedene Personengruppen betreffen, zum Beispiel Arbeitnehmer*innen, die lokale Bevölkerung oder informelle Abfallsammler*innen. "Besonders anfällig sind formelle und informelle Arbeitskräfte. Direkt betroffen sind lokale Gemeinschaften, Kinder, Frauen, Minderheitengruppen einschließlich indigener Gemeinschaften sowie Gesellschaften im Globalen Süden", stellt Giacomo Sebis heraus. Insbesondere seien die Rechte auf Leben, Gesundheit, Wasser, Nahrung und Nichtdiskriminierung gefährdet. Daneben seien ebenso das Recht auf menschenwürdige Arbeit und Arbeitnehmerrechte sowie das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt betroffen.
Umso stärker rücken auch weniger sichtbare gesundheitliche und soziale Auswirkungen des gegenwärtigen Plastikkonsums in den Blick: Entlang des Lebenszyklus von Kunststoffen können Menschen durch gefährliche Herstellungsprozesse, problematische Chemikalien und giftige Zusatzstoffe gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sein, etwa durch Atemwegsprobleme, krebserregende Stoffe oder reproduktionstoxische Substanzen. Lokale Gemeinschaften können zudem von Verschmutzungen und Belastungen im Umfeld petrochemischer Industrieanlagen betroffen sein.
Mehr Plastik, mehr Risiken
Laut OECD gelangten im Jahr 2019 rund 22 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Umwelt; ohne zusätzliche Gegenmaßnahmen könnte sich dieser jährliche Eintrag bis 2060 etwa verdoppeln. Auch Kunststoffnutzung und Kunststoffabfälle werden voraussichtlich weiter deutlich zunehmen. Es besteht somit das Risiko, dass ökologische und soziale Belastungen von Kunststoffen in den kommenden Jahren zunehmen werden.
Kreislaufwirtschaft als Chance
Als mögliche Lösung verweisen sie im Bericht auf zirkuläre Kunststofflieferketten: Diese könnten dazu beitragen, die Gesamtproduktion und den Verbrauch von Neukunststoffen zu senken und damit die Belastung durch Kunststoffabfälle sowie damit verbundene Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Darüber hinaus könnten neue Kreislaufsysteme zusätzliche Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten schaffen. Gleichzeitig warnen Sebis und Hullmann vor einer pauschalen Bewertung. Denn die positiven Effekte einer Kreislaufwirtschaft hängen laut der Forschenden stark vom jeweiligen Kontext ab und treten nicht automatisch ein.
Nachhaltige Lösungen brauchen faire Rahmenbedingungen
Ein Übergang zu zirkulären Kunststofflieferketten müsse sorgfältig gestaltet werden, um Zielkonflikte zu vermeiden. Dazu zählen etwa Spannungen zwischen dem Ziel eines geringeren Kunststoffverbrauchs und den Vorteilen von Kunststoffen in Bereichen wie Gesundheitsversorgung oder Lebensmittelsystemen. Im Bericht weisen sie auch darauf hin, dass soziale Risiken, die bislang mit linearen Kunststofflieferketten verbunden sind, insbesondere in den späteren Phasen des Produktlebenszyklus auch innerhalb einer Kreislaufwirtschaft fortbestehen können. Menschenrechte könnten daher auch in zirkulären Lieferketten weiterhin gefährdet sein.
Der Bericht "A Circular Plastics Economy and Human Rights" ist auf der OHCHR-Website in englischer Sprache unter "Academia/Research community" kostenfrei verfügbar.
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Dieser Artikel wurde von zwei Mitarbeiter*innen des Wuppertals Instituts veröffentlicht: Giacomo Sebis und Charlotte Hullmann.
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