In einer global vernetzten Wirtschaft reichen die Auswirkungen unternehmerischen Handelns und politischer Entscheidungen weit über nationale Grenzen hinaus. Welche Rolle spielt dabei die Nachhaltigkeitsberichterstattung? Und welche Rolle Spillover-Effekte für eine globale nachhaltige Entwicklung?
Das Nachhaltigkeitsreporting
Nachhaltigkeit ist kein „Nice-to-have“. Steigende regulatorische Anforderungen – etwa durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – und wachsender gesellschaftlicher Druck machen die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu einem zentralen Steuerungsinstrument. Die systematische Erfassung und Offenlegung ökologischer und sozialer Effekte unternehmerischer Tätigkeiten wird zur strategischen Grundlage unternehmerischen Handelns.
- Nachhaltigkeitsberichte als Brücke zu den SDGs
Nachhaltigkeitsberichte führen wirtschaftliche Akteure und gemeinnützige Organisationen dazu, ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft zu analysieren und offenzulegen. Dadurch entsteht eine enge Verbindung zu den Sustainable Development Goals (SDGs). Durch die strukturierte Berichterstattung zu wesentlichen Themenfeldern wie Klimaschutz, Ressourcennutzung, Arbeitsbedingungen oder Unternehmensführung können Aktivitäten gezielt an den SDGs ausgerichtet werden. Diese Verknüpfung erleichtert auch die Vergleichbarkeit und Einordnung von Nachhaltigkeitsleistungen auf nationaler und internationaler Ebene. - Doppelte Wesentlichkeit
Berichtende Institutionen müssen u.a. betrachten, wie Nachhaltigkeit ihr Geschäft beeinflusst („Outside-in“) und welchen Einfluss sie selbst auf Umwelt und Gesellschaft haben („Inside-out“). Diese doppelte Wesentlichkeit ist entscheidend, um relevante Nachhaltigkeitsherausforderungen zu identifizieren. Gerade global tätige Unternehmen agieren in einer Welt, die von multiplen Krisen und Disruption geprägt ist. Deshalb wird es notwendig, sich frühzeitig insbesondere auf klimabezogene Risiken (physische Schäden durch Extremwetter, z.B. Hochwasser oder Dürren, sowie Übergangsrisiken durch den Wandel zu einer CO₂-armen Wirtschaft) vorzubereiten. - Messbarkeit und Vergleichbarkeit
Eine gute Nachhaltigkeitsberichterstattung ist eine Chance. Gerade was Investitionen angeht, spielt Sustainable Finance eine immer größere Rolle. Investor*innen müssen wissen, wie wirtschaftliche Akteure selbst zur Nachhaltigkeit beitragen, um sich selber abzusichern. Dazu müssen Fortschritte in Form von Daten messbar sein. Die Erhebung dieser Daten stellt Unternehmen jedoch vor erhebliche Herausforderungen. Oft sind relevante Informationen über verschiedene Abteilungen, Standorte oder externe Partner*innen verteilt, nicht standardisiert oder nur schwer vergleichbar. Dennoch ist es entscheidend, frühzeitig mit dem Aufbau geeigneter Systeme und Prozesse zu beginnen. - Reputation
Auch wenn im Zuge des Omnibuspakets der Europäischen Union zentrale Nachhaltigkeitsvorgaben abgeschwächt und viele Unternehmen formal entlastet wurden, bleiben Risiken und Herausforderungen einer nicht nachhaltigen Wirtschaftsweise bestehen. Gerade deshalb gewinnt die freiwillige und glaubwürdige Berichterstattung an Bedeutung: Integrität muss sichtbar unter Beweis gestellt werden – nicht nur gegenüber Investor*innen, sondern auch gegenüber Kund*innen, Mitarbeitenden und der Öffentlichkeit.
Spillover-Effekte: Nationale Politik global nachhaltig gestalten
Im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen verpflichten sich alle Länder, nachhaltige Entwicklung auf nationaler und auf internationaler Ebene zu fördern und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung umzusetzen. Nationale Produktions- und Konsummuster sowie politische Entscheidungen haben jedoch häufig grenzüberschreitende ökologische, soziale, finanzielle oder sicherheitspolitische Auswirkungen – sogenannte internationale Spillover-Effekte – die beim nationalen SDG-Monitoring ungenügend berücksichtigt werden.
Spillover-Effekte sind grenzüberschreitende Auswirkungen politischer Maßnahmen eines Landes auf die Fähigkeit anderer Länder, die SDGs zu erreichen. Es gibt sowohl negative als auch positive Spillover-Effekte, die die Bemühungen anderer Länder um eine nachhaltige Entwicklung entweder untergraben oder fördern. Der Spillover-Index des Sustainable Development Solutions Network (SDSN) unterscheidet drei Kategorien von Spillover-Effekten:
- Ökologische und soziale Spillover-Effekte im Handel (z.B. Umweltverschmutzung und niedrige Arbeitsstandards in exportierenden Ländern, die importiert werden)
- Spillover-Effekte im Zusammenhang mit Wirtschafts- und Finanzströmen (z.B. Entwicklungszusammenarbeit als positive und Steueroasen als negative Spillover-Effekte) sowie
- Spillover-Effekte in den Bereichen Frieden und Sicherheit (z.B. Export von Waffen)
Wie kann man Spillover-Effekte messen?
Auch wenn wichtige Zusammenhänge zwischen den SDGs und Spillover-Effekten bestehen – beispielsweise über SDG 12 Nachhaltige/r Konsum und Produktion – unterscheidet sich die Messung von Spillover-Effekten vom nationalen SDG-Monitoring. So wird die Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele auf nationaler Ebene z.B. anhand des SDG-Index von SDSN auf einer Skala von 0 bis 100 gemessen. Je höher der SDG Index Score, desto besser schneidet ein Land bei der Umsetzung aller SDGs ab (siehe Overall performance of all 193 UN Member States).
Der Spillover-Index von SDSN misst die drei Kategorien von Spillover-Effekten auf einer Skala von 0 bis 100. Dabei stellt 0 die schlechteste Leistung dar. Konkret heißt das: Das Land produziert überwiegend negative Spillover-Effekte. 100 ist demnach die beste Leistung, was bedeutet, dass das Land überwiegend positive Spillover-Effekte verursacht (siehe Spillover performance of all 193 UN Member States).
Wie schneidet Deutschland ab?
Deutschland zählt zu den Ländern mit dem höchsten SDG-Index: Mit einem SDG Index Score von 74,7 liegt es auf Platz 6 von 35 in Europa. Trotz dieser guten Gesamtperformance bei der Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele bestehen große Herausforderungen, u.a. bei nachhaltigem Konsum und Produktion (SDG12) sowie Klimaschutz (SDG13) (siehe Overall performance of European countries).
Beim internationalen Spillover-Ranking schneiden die EU und OECD-Mitglieder im Vergleich zu anderen Weltregionen hingegen am schlechtesten ab. Deutschland erreicht aktuell einen Spillover Score von nur 63,6 (Platz 17 von 31 in Europa). Dies macht deutlich, dass Deutschlands Konsum und Handel negative externe ökologische und soziale Auswirkungen auf andere Länder, insbesondere Länder mittleren und niedrigen Einkommens, haben (siehe Spillover performance of European countries).
Also, TU DU’s
- Informiere dich über die Herkunft von Produkten und unter welchen Arbeitsbedingungen und Umweltauswirkungen diese hergestellt wurden.
- Schaue dir die Dashboards von SDSN zum SDG-Index und Spillover-Index an und schaue, wie Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet
(Rankings & Spillover Rankings). - Siehe nach, ob Unternehmen, deren Produkte du kaufst, ein Nachhaltigkeitsmanagement haben und Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen.
Du hättest gerne noch mehr Informationen? Dann klick hier:
Für mehr Inspiration und Anregungen, folge uns auf Instagram @17Ziele.de
Autor*innen: Senem Berfin Kaya & Sarah Löpelt, German Institute of Development and Sustainability (IDOS)
Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.
Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.