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Weltweit haben Schätzungen zufolge bis zu drei Milliarden Menschen Schwierigkeiten, sich eine Wohnung zu leisten. Mehr als eine Milliarde leben in Slums oder informellen Siedlungen, häufig ohne Versorgung mit Wasser oder Sanitäranlagen. Die Bezahlbarkeit von Wohnraum hat ein „kritisches Ausmaß“ erreicht – so das Ergebnis eines Runden Tisches zu SDG 11, den das deutsche Lösungsnetzwerk für nachhaltige Entwicklung (SDSN Deutschland) im Vorfeld des Hochrangigen Politischen Forums (HLPF) der Vereinten Nationen organisiert hat. Diese Einschätzung teilen sicher auch viele Menschen in Deutschland. Schaut man auf den aktuellen SDG-Index, ist Deutschland jedoch bei Ziel 11 bei allen Kennzahlen auf Kurs. Das schauen wir uns genauer an.

Das HLPF: Bilanz ziehen in New York

Vom 7. bis zum 15. Juli 2026 kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft aus aller Welt zum HLPF in New York zusammen. Dort wird – wie jedes Jahr – Bilanz gezogen:

Was hat sich bei den SDGs getan?

Wo gibt es Fortschritte und wo muss nachgesteuert werden?

Jedes HLPF rückt dabei einzelne Ziele besonders in den Fokus. 2026 sind das neben SDG 11 (Nachhaltige Städte) auch SDG 6 (Sauberes Wasser), SDG 7 (Bezahlbare Energie), SDG 9 (Industrie und Innovation) und SDG 17 (Partnerschaften). Pünktlich zu diesem Treffen werden außerdem der aktualisierte SDG-Index und der offizielle Fortschrittsbericht der UN über die Ziele für nachhaltige Entwicklung veröffentlicht. Sie zeigen, wie weit die Länder bei der Umsetzung der 17 Ziele gekommen sind und beleuchten globale Trends.

Für Deutschland reisen übrigens auch die Jugenddelegierten Florian Brod und Matilda Ramge nach New York. Sie bringen die Perspektiven junger Menschen in die Diskussionen ein. Ein Gespräch mit den beiden findet ihr hier.

Nachgehakt: Liegt Deutschland bei SDG 11 auf Kurs?

Laut SDG-Index ist Deutschland bei den diesjährigen fünf Fokus-SDGs auf einem guten Weg. Das könnt ihr hier im Detail sehen. Insgesamt hat sich die Situation bei uns jedoch bei mehr als 30 Prozent der SDG-Indikatoren, mit denen die Fortschritte bei den 17 Zielen gemessen werden, verschlechtert. SDG 11 – „Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten“ – ist das einzige Ziel, bei dem Deutschland bei allen Messwerten im grünen Bereich ist.

Wie in vielen europäischen Staaten – aktuell zum Beispiel in Spanien, Frankreich und Großbritannien – war bei uns bisher die Überbelastung durch Mieten die größte verbleibende Herausforderung bei Ziel 11. Wenn die Ausgaben für Wohnen mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens übersteigen, wird das als „Überbelastung“ definiert. Denn man geht davon aus, dass durch so hohe Wohnkosten nicht mehr genug Geld für andere notwendige Ausgaben bleibt. Liegt die „Quote der Überbelastung durch Wohnkosten“ bei einem Land unter 10 Prozent, ist es bei diesem Indikator „auf Kurs“ („on track“).

In Deutschland liegt der Anteil der Bevölkerung, der durch Wohnkosten überbelastet ist, nach aktuellem SDG-Index bei 9,23 Prozent. Der Index basiert allerdings auf Werten aus dem Jahr 2022. Laut Statistischem Bundesamt haben 2025 11,1 Prozent der Bevölkerung mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten ausgegeben. Außerdem spiegelt diese Kennzahl nur einen bundesweiten Mittelwert wider. Das heißt, die hohen Mietkosten in Großstädten wie München, Frankfurt oder Berlin, wo die Nettokaltmiete deutlich über zehn Euro pro Quadratmeter liegt, werden in der Statistik durch niedrige Mieten in anderen Regionen von Deutschland ausgeglichen. Die gefühlte Belastung vieler Stadtbewohnerinnen und -bewohner, die knapp unter 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnraum zahlen müssen, dürfte also deutlich höher liegen, als die Statistik vermuten lässt.

SDG-Portal: Schau nach, wie es in deiner Stadt aussieht

Wie ist die Situation bei dir vor Ort? Im SDG-Portal kannst du nachschauen, wie deine Stadt bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele abschneidet. Dort findest du auch Informationen über Mietkosten.

Eine Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vom Dezember 2025 zeigt, dass viele Menschen in Deutschland zwar nach den üblichen Statistiken nicht als arm gelten, nach Abzug ihrer Wohnkosten aber nicht mehr genug Geld für andere notwendige Ausgaben haben.

In Deutschland gilt jemand als armutsgefährdet, wenn er weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für eine alleinlebende Person lag diese Armutsgrenze 2024 bei 1.381 Euro monatlich.

Da Mieten einen immer größeren Anteil des Einkommens beanspruchen, wurde in der Studie eine neue Armutsgrenze gezogen, die sogenannte Wohnarmutsgrenze: Auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts wurden die verfügbaren Einkommen um die tatsächlichen Wohnkosten bereinigt. Die so berechnete Wohnarmutsgrenze lag im Jahr 2024 für eine Einzelperson bei 1.088 Euro pro Monat.

Das bedeutet: Eine Studentin, die monatlich 1.400 Euro zur Verfügung hatte, lag 2024 zunächst über der üblichen Armutsgrenze. Musste sie für ihr WG-Zimmer jedoch eine Warmmiete von 500 Euro zahlen, blieben ihr noch 900 Euro. Damit lag sie dann unter der Wohnarmutsschwelle.

Nach Berechnungen der Studie waren 2024 bei 5,4 Millionen Menschen die Wohnkosten so hoch, dass ihr verbleibendes Einkommen unter der Wohnarmutsgrenze lag. Statt 13 Millionen galten demnach eigentlich 18,4 Millionen Menschen in Deutschland als arm. Das waren 22,3 Prozent der Bevölkerung.

Deutscher Wohnungsmarkt: Vor allem junge Menschen spüren die Krise

Laut Sozialem Wohn-Monitor von 2026 fehlen in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen. In vielen Städten entscheiden die Wohnkosten inzwischen mit darüber, ob junge Menschen eine Ausbildung beginnen, studieren oder eine Familie gründen können. Studierende müssen im Durchschnitt 53 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Aber auch ältere Menschen, Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Menschen mit Behinderungen sind von der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt besonders betroffen.

Mehr als 530.000 Menschen haben gar kein eigenes Dach über dem Kopf, besagt der aktuelle Wohnungslosenbericht der Bundesregierung. Die Zahl umfasst zum Beispiel Menschen, die in Not- oder Behelfsunterkünften leben oder zeitweilig bei Verwandten oder Freunden unterkommen.

Überbelastungsquote: SDG 11 und die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie

Deutschland hat sich in seiner nationalen Nachhaltigkeitsstrategie vorgenommen, die Quote der Überbelastung durch Wohnkosten bis 2030 auf 13 Prozent zu senken. Dieses Ziel wurde bereits erreicht. Laut SDG-Index sollte das langfristige Ziel jedoch sein, diesen Wert auf fünf Prozent zu drücken. Der Wert spiegelt den Durchschnitt der Länder wider, die bei diesem Messwert am besten abschneiden. Davon sind wir in Deutschland mit einer Quote von 11,1 Prozent noch weit entfernt.

Im globalen Vergleich relativiert sich die deutsche Perspektive allerdings: Der SDG-Indikator „Quote der Überbelastung durch Wohnkosten“ wird nur in OECD-Ländern gemessen, also Ländern mit mehrheitlich hohem Pro-Kopf-Einkommen. In anderen Weltregionen wird bei SDG 11 vor allem die extreme Wohnungsnot gemessen – am Anteil der Bevölkerung, der in Slums oder informellen Siedlungen lebt und das sind aktuell mehr als eine Milliarde Menschen.

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TU DU's zu Ziel 8 © 17Ziele

Dieser Artikel wurde vom Redaktionsbüro SINNTHESE verfasst und am 07. Juli 2026 veröffentlicht.

Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.

Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.

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Organisiere und engagiere dich z.B. in Gewerk­schaften.

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Spare Strom, indem du den Stecker bei Produkten ziehst, die du nicht benutzt.

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Achte beim Einkauf auf biolo­gisch und nach­haltig erzeugte Produkte.

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Nimm öfter das Fahrrad statt das Auto. Für deine Gesund­heit und das Klima.

Fahre mehr Bahn, so verur­sachst du weniger Smog und weniger Lärm.

Pflanze Bäume und Pflanzen, die die Luft filtern.

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Informiere dich über deine Rechte und die von anderen.

Entscheide dich für Frei­willigen­arbeit, z.B. als Sprach­lehrerin oder Sprach­lehrer.

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Mache Druck bei Politikern.

Richte Nist­möglich­keiten für Vögel ein.

Repariere einen tropfenden Wasser­hahn oder un­dichten Spülkasten.

Fordere öffentliche Insti­tu­tionen wie Uni­ver­sitä­ten und Bi­blio­the­ken auf, jedem einen Internet­zugang zu ermöglichen.

Organisiere Stadt­entwicklungs­wettbewerbe.

Unterschreibe Petitionen, die nicht-nach­haltige Stadt­entwick­lungs­projekte stoppen.

Tritt für bessere Bezahlung von Pflege­kräften ein.

Nutze Naturbäder statt chlor­gereinigte Schwimm­bäder.

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