05.08.2026
Das HLPF 2026 ist vorbei. Was wird euch am längsten in Erinnerung bleiben?
Mehrere Eindrücke aus New York werden uns in Erinnerung bleiben. Dazu zählt zunächst der erste Besuch des UN-Gebäudes und insbesondere des Saals der Generalversammlung – ein Moment, der die Dimension des Prozesses um die 2030-Agenda greifbar gemacht hat: Menschen aus praktisch allen Weltregionen kommen hier zusammen, um über die Zukunft nachhaltiger Entwicklung zu verhandeln. Prägend war zudem der Auftritt von UN-Generalsekretär António Guterres bei der Podiumsdiskussion „We the Peoples: The Future of the UN", und mit welcher Wortgewandtheit und Bedachtheit er aufgetreten ist. Als ebenso wichtig fanden wir die enge, kontinuierliche Zusammenarbeit mit Jugenddelegierten anderer Länder. Ein Austausch, der für uns sehr bereichernd war. Nicht zuletzt bleibt uns das erleichterte Aufatmen im Plenarsaal in Erinnerung, als die Abschlusserklärung im Konsens verabschiedet wurde.
Was ist eure Bilanz als Jugenddelegierte von dem Treffen in New York?
Es waren intensive Konferenztage, aus denen wir eine gemischte Bilanz ziehen. Einerseits war es eine sehr eindrucksvolle Erfahrung, bei der wir es sehr geschätzt haben, Teil einer tollen deutschen Delegation mit vielen schlauen Köpfen zu sein. Andererseits sind uns vor allem drei Dinge aufgefallen: Zum einen waren deutlich weniger Menschen aus dem Globalen Süden vor Ort. Verursacht von sehr hohen Reisekosten und eingeschränkten Einreisemöglichkeiten aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft. Zum anderen sind wir zwar sehr nah an wichtigen Entscheidungen und Gesprächen dran, doch es bleibt das Gefühl, dass junge Menschen nicht „echt" beteiligt und konsultiert werden. Es schmerzt außerdem, dass wir bei den SDGs, die „on track" sind, im Vergleich zum letzten Jahr einen Rückschritt von 18 % auf 15 % verzeichnen müssen. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass die SDGs politisch weiterhin hochgehalten werden und nach wie vor starken Rückhalt erfahren.
Wenn ihr einen Punkt auf der Agenda des HLPFs ergänzen könntet: Welcher wäre es?
Als eine sinnvolle und neue Ergänzung fänden wir ein strukturiertes Format zur gezielten Vernetzung von Stakeholdern sehr spannend. Also im Grunde eine Art organisiertes „Stakeholder-Speeddating“-Format. Bei so einer großen Konferenz, wie dem HLPF, bleibt es oft dem Zufall überlassen, mit welchen Menschen man ins Gespräch kommt. Toll wäre es, alle, die Projektpartner*innen suchen, gleiche politische Ziele verfolgen oder Initiativen haben und dafür Mitstreiter*innen brauchen, in einem Raum zusammenzubringen. So ließe sich viel konstruktivere und zielgerichtetere Vernetzung bündeln, anstatt sie dem Zufall zu überlassen.
An welchem der fünf Fokus-SDGs muss eurer Meinung nach noch am meisten gearbeitet werden?
Im Bezug auf die Fokus-SDGs zeigt der Sustainable Development Progress Report 2026, dass der größte Nachbesserungsbedarf bei SDG 6 besteht, also beim Thema Wasser. Besonders betroffen sind hier die Unterziele zur Wasserqualität und zum Schutz wasserbasierter Ökosysteme. Große Fortschritte verzeichnet dagegen zum Beispiel SDG 7, also erneuerbare Energien. Hier sehen wir deutliche Verbesserungen in der internationalen Zusammenarbeit im Energiesektor sowie steigende Investitionen in Infrastruktur.
Welches To-Do nehmt ihr aus dem diesjährigen HLPF mit, das jede*r im Alltag umsetzen kann?
Aus unserer Sicht gibt es zwei To-dos. Erstens: Die nächsten knapp vier Jahre nutzen, nachhaltige Entwicklung im Alltag leben, andere dafür begeistern und so dazu beitragen, dass wir bis 2030 noch mehr SDGs „on track" bekommen. Zweitens: Würde wir gerne alle, die bereits berufstätig sind, dazu ermutigen, in seinem/ihrem Arbeitsumfeld einen Schritt zurückzumachen und zu hinterfragen, welchen Beitrag ihr Unternehmen zu nachhaltiger Entwicklung leisten kann – sowohl nach innen als auch nach außen. Schaut auf die großen sowie die kleinen Stellschrauben, sprecht darüber, überzeugt und gestaltet mit.
Dieser Artikel wurde vom Team der Bildungskampagne #17Ziele erstellt.