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Ein Beitrag von Benjamin Etzhold & Sonja Liesching, bicc:

Zwischen Ungewissheit und Hoffnung

Flüchtlingslager sind Orte, an denen vieles beginnt. Kinder werden geboren, Familien zusammengeführt. Gleichzeitig aber sind es auch Orte, an denen oftmals eine Flucht zu Ende geht.

Doch welchen Blick haben wir auf dieses Leben? Oftmals sind es endlos erscheinende Weiten voller Zelte. Einen Blick hinein gewähren nun junge Geflüchtete Rohingya in Bangladesch, die Rohingytographer. Mit einem einzigartigen Projekt dokumentieren sie das Leben im derzeit größten Flüchtingslager weltweit. Ermöglichen einen Blick in ihr Leben. Eine Lebenserfahrung als Flüchtling in einem Camp, die sie mit über 43 Millionen Menschen weltweit teilen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen suchten Ende des Jahres 2024 43 Millionen Menschen in einem anderen Land Schutz vor Krieg, Verfolgung und Unsicherheit. Etwa Zwei Drittel dieser Flüchtlinge hält sich in einem unmittelbaren Nachbarland auf, da sie auf Grund von fortschreitender Gewalt weder in die Heimat zurückkehren können noch die Mittel oder Möglichkeiten haben in ein anderes Land weiterzureisen. Gleichzeitig lebt etwa ein Viertel aller Flüchtlinge in Flüchtlingslagern und ist dort auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Das derzeit größte Flüchtlingslager der Welt befindet sich in der Region Cox’s Bazar in Bangladesch. Im Kutapalong Camp bei Ukhyia leben über 900,000 Flüchtlinge der Rohingya. Sie sind eine ethnische und religiöse Minderheit, die in Myanmar nicht als Bürger*innen anerkannt und seit Jahren verfolgt werden. Sie flohen 2017 und im letzten Jahr vor brutaler ethnischer Gewalt und dem Krieg aus der benachbarten Region Rakhine.

In den Flüchtlingslagern erhalten sie von Hilfsorganisationen eine Unterkunft, Essensrationen und andere Unterstützungsleistungen. Die Lebensbedingungen sind dennoch höchst prekär, denn die Menschen sind in ihren Freiheiten stark eingeschränkt: Sie dürfen nicht außerhalb des Camps arbeiten, der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung ist unzureichend und ihre Sicherheit kann auch im Camp nicht garantiert werden. Das Lager dient letztlich nicht nur der Versorgung der Geflüchteten, sondern auch ihrer Verwaltung und Kontrolle und schließt sie – rechtlich, baulich wie strukturell – aus der bangladeschischen Gesellschaft aus.

Narrative von außen: Wahrnehmungsprägung durch Bilder

Hunderte Hilfsorganisationen wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sowie internationale und lokale Nichtregierungsorganisation arbeiten in dem Camp, hunderte Journalist*innen berichten über die Situation vor Ort, und zahlreiche Wissenschaftler*innen führen Forschungsprojekte durch. Sie alle produzieren Wissen und Bilder über das Lager und die geflüchteten Menschen.

Das Camp wird dabei weitestgehend als ein Ort des Elends, der Gewalt und Hoffnungslosigkeit dargestellt. Die Rohingya selbst als schutz- und hilfsbedürftige Menschen, die im Lager auf eine Verbesserung ihrer Situation und die Rückkehr in ihre Heimat warten. Die (Re-)Produktion solcher Narrative und Bilder soll den Fortbestand und die Ausweitung der humanitären Hilfe sichern, Interventionen in das Leben der Rohingya legitimieren, aber letztlich auch Regierungen dazu drängen, sich stärker für dauerhafte Lösungen dieser langanhaltenden Vertreibungssituation einzusetzen.

Die Rohingyatographer: Ein Blick aus dem Inneren

Dabei gerät aus dem Blick, dass die Rohingya nicht nur Hilfsempfänger:innen sind, sondern selbst ihren Alltag gestalten. Unter den sehr schwierigen Bedingungen versuchen sie nicht nur zu (über)leben, sondern sich im oder jenseits des Camps eine Zukunft aufzubauen. Sie arbeiten, lernen, spielen und lieben, und pflegen ihre Kultur mit Essen, Kunst, Musik, Handwerk, und Literatur. In einem Interview, dass im “Report Globale Flucht 2025” veröffentlicht wurde, spricht die Aktivistin Jaitun Ara über ihre Mitarbeit bei den Rohingyaphotographer:

“Ich möchte unsere Kultur darstellen und zeigen, wie unsere Leute im Alltag zu kämpfen haben. Die Menschen hier leiden, aber viele Fotograf:innen, die hierherkommen, um Bilder für Hilfsorganisationen oder internationale Medien zu machen, sehen das gar nicht. Sie sehen nur und halten das in Bildern fest, was ihnen gezeigt wird. Ich lebe hier, jeden Tag. Ich möchte der Welt zeigen, was sie nicht sehen, was sie sonst nie sehen werden.” - Jaitun Ara

Besonders für junge Rohingya ist das Projekt ein wichtiger Zugang zu ihrer eigenen kulturellen Identität. Sahat Zia Hero ist Gründer und Herausgeber des Fotomagazins und Träger des 2023 Nansen-Flüchtlingspreis des Flüchtlingshochkommissars der Vereinten Nationen für Asien. Er dokumentiert den Alltag im Kutapalong Camp nicht nur aber auch für zukünftige Generationen:

“Wer weiß, was in 50 oder 100 Jahren passieren wird. Vielleicht leben wir immer noch im Lager. Die jüngere Generation wird unsere Kultur nicht kennen und nicht wissen, wie es war, als wir hier ankamen” - Sahat Zia Hero

Mit ihrer Arbeit kehren Künstler*innen der Rohingyatographer die zu stark vereinfachenden Darstellungen des Lebens der Rohingya um und fordern letztlich jene Machtverhältnisse heraus, die Geflüchtete strukturell ausgrenzen. Durch ihre Bilder   demonstrieren sie ihre eigene Handlungsmacht, verschaffen ihrer Generation eine Stimme und fordern Chancen für eine bessere Zukunft ein. Sahat Zia Hero hebt die Bedeutung ihrer Arbeit hervor:

„Wir erzählen unsere Geschichte. Wir zeigen das Leben im Lager durch unsere eigenen Augen. Wir zeigen die Flucht, unsere Unterkünfte, unser Essen, unsere Kultur, unsere Bildung, unseren Sport und vieles mehr aus unserem Alltag. Durch die Fotografie können wir für unsere Rechte und unsere Bedürfnisse eintreten und Gerechtigkeit und echte Chancen auf eine Zukunft einfordern. Die Fotografie hilft uns, Veränderungen in unserer Gemeinschaft herbeizuführen.“- Sahat Zia Hero

Globale Verantwortung: Von Bildern zu Perspektiven

Die Rohingyatographer sind nicht nur ein Projekt. Mit ihrer Arbeit lenken sie unseren Blick auf ihre Lebenswelten. Sie rücken den Fokus hinein in die Zelte und auf die Bedingungen und Herausforderungen des Zusammenlebens in einem Flüchtlingscamp. Ihre Selbstbestimmung, die Sichtbarmachung der schwierigen Umstände in ihrem Leben und ihre Teilhabe sind die Grundpfeiler für nachhaltige Entwicklung.

Ebenso wichtig ist es, Ungleichheiten in und zwischen Ländern zu verringern (SDG10) und friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern (SDG16). Um diese Ziele zu erreichen, ist es nicht nur notwendig, dass Menschen unter friedlichen Bedingungen leben können. Gleichzeitig müssen Geflüchtete in ihre Heimat zurückkehren oder in Aufnahmeländern umfassende Möglichkeiten der lokalen Integration und Perspektiven erhalten können. Perspektiven, die die Rohingyatographer sichtbar machen und einfordern. Die Ungewissheit in ihrem Leben bleibt bestehen, jedoch verändern sie mit ihrer Arbeit die Sicht auf ihre Kultur und ihr Leben.

So entsteht aus dem anonymen Bild des Flüchtlingscamps ein vielstimmiger Einblick in gelebte Realität. Mit ihrem selbst ausgewählten Bildausschnitt. Folgen wir ihrem Blick!



Foto Header: © Sahat Zia Hero

 

 

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TU DU's zu Ziel 16 © 17Ziele

Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.

Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.

 

    • UNO Flüchtlingshilfe
    • Sahat Zia Hero und Jaitun Ara im Gespräch mit Benjamin Etzold: »Wir zeigen das Leben im Flüchtlingslager durch unsere eigenen Augen«. Fotografie als künstlerische Praxis geflohener Rohingya in Bangladesch in Report Globale Flucht 2025, Report Globale Flucht 2025 - | S. Fischer Verlage

    • Autor*innen: Benjamin Etzhold und Sonja Liesching, bicc

 

 

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