Braun-schlammige Wassermassen, Geröllberge, wo vorher Häuser und Straßen waren, Rettungskräfte und Freiwillige wochenlang im Dauereinsatz:
Die Bilder aus dem Ahrtal vom Sommer 2021 haben sich ins kollektive Gedächtnis gegraben. Am 14. und 15. Juli 2021 fielen bei Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen innerhalb von 24 Stunden bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter – mehr als sonst im gesamten Monat. Die bittere Bilanz des „Jahrhunderthochwassers“ in Deutschland: mehr als 180 Todesopfer und Sachschäden in Milliardenhöhe. Häuser, Bahnstrecken, Straßen, Brücken, Mobilfunkmasten wurden zerstört, in den besonders betroffenen Regionen brach die Gas-, Strom- und Wasserversorgung zusammen.
Zu wenig Wasser, zu viel Wasser: Was uns Extremwetter kostet
Die Datenlage lässt keinen Zweifel: Im Zuge des Klimawandels wird Deutschland immer häufiger extreme Wetterlagen erleben – zum einen Hitzesommer mit Dürren, zum anderen Unwetter mit Starkregen und Überschwemmungen. Eine vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragte Studie hat ergeben, dass Wetterextreme zwischen 2000 und 2021 in Deutschland Kosten von mindestens 145 Milliarden Euro verursacht haben – mehr als 40 Milliarden Euro allein im Juli 2021. Bis zum Jahr 2050 werden die Kosten demnach sogar noch deutlich steigen: je nach Klimaszenario auf bis zu 900 Milliarden Euro.
Das genaue Ausmaß ist schwer zu berechnen. Denn neben konkreten Schäden, etwa an Häusern, Industrieanlagen und Infrastruktur, sind auch Schäden zu berücksichtigen, die sich kaum in Zahlen fassen lassen. Dazu gehören zum Beispiel Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit, der Verlust von Artenvielfalt oder auch politische Instabilität.
Der Wendepunkt in der Klimadebatte
Für die öffentliche Diskussion rund um den Klimawandel waren die dramatischen Bilder aus dem Ahrtal ein Wendepunkt: Vorher wurde vor allem darüber gesprochen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Nun rückten die ebenfalls notwendigen Anpassungen an die Folgen des Klimawandels stärker in den Mittelpunkt, die in SDG 13 "Maßnahmen zum Klimaschutz" verankert sind: „Die Widerstandskraft und die Anpassungsfähigkeit gegenüber klimabedingten Gefahren und Naturkatastrophen in allen Ländern stärken“ – eine Aufgabe für den Bund, die Bundesländer und vor allem für die Kommunen.
Das, was wir im Sommer 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erlebt haben, hat uns sehr leidvoll daran erinnert, wie wichtig es ist, dass wir uns besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten und uns besser auf Extremwetter einstellen müssen“
, sagt Karsten Specht vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Neben Frühwarnmechanismen und einem besseren Schutz kritischer Infrastruktur sei es besonders wichtig, Flüssen und Bächen mehr Raum zu geben, um Überflutungsflächen zu schaffen: „Wir müssen wieder lernen, mit der Natur zu bauen, nicht gegen sie.“
Aus der Katastrophe gelernt: So werden wir besser geschützt
- Unmittelbar nach der Katastrophe forderten 22 Wissenschaftler*innen ein groß angelegtes Klimaanpassungsprogramm. Als ersten Schritt formulierten sie fünf Prinzipien für klimasichere Kommunen und Städte. Dazu zählt zum Beispiel, die „Schwammfähigkeit“ von Landschaften und Siedlungsgebieten zu steigern, also mehr Grünflächen anzulegen, die Wasser speichern können.
- Im Juli 2024 trat das Klimaanpassungsgesetz in Kraft. Es verpflichtet Bund, Länder und Gemeinden, Risiken zu analysieren und passende Vorsorgestrategien zu entwickeln.
- Ein Gemeinsames Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz soll im Notfall für einen schnellen Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen und den Hilfsorganisationen sorgen.
- Ins Baugesetzbuch wurde eine Klausel eingefügt, die den Wiederaufbau nach Katastrophen erleichtern soll. Gemeinden dürfen dann zum Beispiel neue Baugebiete ausweisen, wenn sie Gebäude in Risikolagen nicht wiederaufbauen, sondern diese Flächen entsiegeln und begrünen.
- Hilfe für die Helfer: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und das Technische Hilfswerk (THW) haben nun mehr Personal und eine bessere Ausstattung.
- Vielerorts wurde das zuvor stark ausgedünnte Netz an Warnsirenen wieder ausgebaut.
- Seit 2023 findet jährlich ein bundesweiter Warntag statt, in der Regel am zweiten Donnerstag im September (2026 also am 10.09.).
- Seit 2023 wird auch per Cell Broadcast gewarnt. Das System sendet über Mobilfunkmasten Nachrichten an alle erreichbaren Handys – ohne App, Telefonnummer oder Internetverbindung.
Was sind deine Tu Du's?
Auf Themen wie Bevölkerungsschutz oder Baurecht kannst du meist nur indirekt über deine Wahlentscheidungen Einfluss nehmen. Doch du kannst auch im Alltag einiges tun, um die Folgen des Klimawandels abzuschwächen und dich auf Katastrophen vorzubereiten. Hier ein paar Beispiele:
Senke deinen Beitrag zum Klimawandel:
- Teste deinen ökologischen Fußabdruck unter fussabdruck.de/.
- Nutze klimafreundliche Verkehrsmittel: Zug statt Flugzeug, Bus und Fahrrad statt Auto.
- Iss weniger Fleisch.
- Reduziere deinen Stromverbrauch durch Datenverkehr. Lade zum Beispiel Filme, Musik und Spiele herunter, statt sie live zu streamen. Schalte Ortungsdienste ab und nutze KI nur sehr sparsam.
Bereite dich auf den Notfall vor:
- Installiere eine Warn-App wie NINA oder Katwarn auf deinem Smartphone.
- Lade dir den Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ des BBK herunter. Er gibt Tipps, wie man sich auf verschiedene Notsituationen vorbereiten kann. Es gibt ihn in verschiedenen Sprachen, dazu praktische Checklisten.
- Lust auf mehr? Dann erkundige dich an deinem Wohnort über Engagement-Möglichkeiten, zum Beispiel bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem THW oder im Sanitätsdienst.
Weg mit dem Grau, her mit dem Grün!
Inspiriert durch den sehr erfolgreichen niederländischen Entsiegelungswettbewerb „Tegelwippen“ haben Studierende der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz 2025 den Wettbewerb „Abpflastern“ ins Leben gerufen. Er ruft dazu auf, Beton- oder Asphaltflächen aufzubrechen und durch bepflanzten Boden zu ersetzen. Mitmachen können Vereine und Bürgerinitiativen, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und Einzelpersonen. Also los! In der Liga der kleinen Kommunen trug Mettingen 2025 den Sieg davon: Dort wurden umgerechnet 60.000 Steine entfernt – fünf pro Einwohner*in!
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Dieser Artikel wurde vom Redaktionsbüro SINNTHESE verfasst und am 10. Juli 2026 veröffentlicht.
Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.
Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.